Buddeln ist teuer 12.12.2017

Buddeln ist teuer

In heller Vorfreude auf die vielen Besucher an Heiligabend habe ich meine Mähne beim Hairstylisten aufpeppen und meine Fitness beim Tierarzt durchchecken lassen. Der Tierarzt, dieser Quacksalber, attestierte mir einen Tunnelblick.

Hilfesuchend habe ich Wikipedia bemüht. Zitat: „Im übertragenen Sinne bedeutet der Tunnelblick die Unfähigkeit oder Unwilligkeit, Dinge wahrzunehmen, die außerhalb dessen liegen, wofür sich der Betroffene aktiv interessiert –  Scheuklappen“; Zitatende.

Bei der Nachuntersuchung beruhigte mich der Viehdoktor. Der Tunnelblick ist zwar ansteckend, es gibt aber ein gutes Hausmittel. Es ist nicht teuer aber auch nicht umsonst zu haben.

Er verschrieb mir communi sensu auf Deutsch: gesunder Menschenverstand!

Da fiel mir sofort der Waakirchner Tunnel ein, der mir die Sinne vernebelt hat. Und da hab ich mir gedacht:

Ist es wirklich erforderlich, dass möglicherweise allein für die Machbarkeitsstudie eines Tunnels bereits mehrere Millionen verbraten werden müssen? Der Ruf nach dem Bundesrechnungshof ist da mehr als verständlich.

Leider ist die Zeit der klaren Politikeraussagen vorbei. Edmund Stoiber sagte bereits vor über 20 Jahren bei „jetzt red i“, klar und deutlich: „Einen Tunnel für Waakirchen wird es nicht geben!“

Der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeldern und die Gleichbehandlung der Kommunen verboten damals diese Maßnahme. Heute ist es nicht anders. Weder sind Tunnel billiger geworden noch gibt es Tunnelgeschenke oder Tunnelkontingente für Regionen.

Ein Tunnel wird gebaut, wenn die verkehrspolitische Notwendigkeit gegeben ist und wo es nicht anders geht.

Wer einen Tunnel für Waakirchen fordert ist entweder uneingeschränkter Realist, der keine Verkehrslösung will, oder ordnet sich ein zwischen Egoist, nach dem Motto „Waakirchen first“, und blauäugigem Visionär.

Wer ehrlich einen Tunnel fordert muss sich über folgende Aspekte Gedanken machen:

  •  Neben Waakirchen gibt es viele ähnliche Gemeinden und Städte – mit gleichen Forderungen.
  •  Anlieger von Autobahnen würden zu recht durchgehende Lärmschutzmaßnahmen einfordern.
  •  Kommunen, die in der Vergangenheit diese Maßnahmen selbst finanziert hatten, würden ebenfalls Forderungen geltend machen usw.

Wer soll das bezahlen???

Eine adäquate Budgetausweitung, um all diese Maßnahmen finanzieren zu können, würde starke Einschnitte bei anderen Ausgabenbereichen, insbesondere im sozialen Bereich nach sich ziehen oder immense Steuererhöhungen zur Folge haben. Der Protest wäre groß – auch von Tunnelbefürwortern.

Einige Gemeinderäte verstecken sich jetzt hinter der Unterschriftenaktion „Pro Tunnel“, bei der diese finanziellen Nebengeräusche bewusst ausgeblendet wurden. Diese Gemeinderäte könnten mit gutem Beispiel vorangehen und bei Neubauten ausschließlich Tiefgaragenplätze anstelle von oberirdischen Stellplätzen fordern. Wo war eigentlich die Tunnelforderung bei der Ortsverbindungsstraße?

Wir werden es nicht schaffen, den Verkehr unsichtbar zu machen. Jeder hat es natürlich selbst in der Hand, einen positiven Beitrag zur Verkehrsreduzierung zu leisten. Die momentane Christkindlmarkt-Rallye im Oberland lässt mich jedoch ein bisschen daran zweifeln.

Jetzt ist er schon wieder da, der Tunnelblick. Grad hab i ma denkt i habs denkt, dawei hab is gsagt. Also nix für ungut. Lassen wir die Kirche im Dorf und bleiben ehrliche Realisten, mit offenem Blick und ohne Scheuklappen.

Euer Leo

 

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